Ratgeber: Kilimanjaro Trekking

Das Dach Afrikas – auf 5.895m über dem Meer thront der Kilimanjaro. Drei lang erloschene Vulkane formen das Bergmassiv, der höchste heißt Kibo, und sein Gipfel Uhuru-Peak. Genau diesen Gipfel wollen jährlich mehrere tausende Bergsteiger bezwingen – doch wie bereitest du diese Reise am Besten vor? Und wie bereitest du dich vor? Mit meinem Ratgeber zum Thema Kilimanjaro Trekking wird dein Weg zum Gipfelkreuz hoffentlich zum Spaziergang – naja, zumindest sprichwörtlich.

“Alle Wege führen nach Uhuru.”

Die Auswahl der Route

Es gibt acht verschiedene Routen, die den Gipfel des Kilimanjaro aus allen Himmelsrichtungen ansteuern. Die vermeintlich einfachste Route ist die Marangu-Route, wegen der Beliebtheit unter westlichen Touristen auch Coca Cola Route genannt. Der Schein trügt jedoch – viele Bergsteiger unterschätzen die Ansprüche dieser Route, weswegen die Erfolgsrate zu den niedrigsten zählt. Marangu ist die einzige Route mit Übernachtungen in Hütten. Landschaftlich gilt sie als unspektakulärer als die anderen Routen, da der Auf- und Abstieg auf demselben Weg erfolgt. Mit ca. 6 Tagen ist dies potenziell der schnellste Weg zum Gipfel, was jedoch wiederum die Akklimatisierung erschwert. Ich würde deswegen von Marangu eher abraten.

Schon besser geeignet ist die Machame-Route, die aber zusehends beliebter und damit auch voller wird. Landschaftlich ist sie besonders schön und sowohl das Akklimatisierungsprofil, als auch die Erfolgsrate sind gut. Für Machame benötigst du etwa 6-7 Tage, die Nächte verbringst du, wie auf den weiteren Routen, im Zelt.

Ratgeber Kilimanjaro Trekking Routen Karte Eine meiner liebsten Routen ist die Lemosho-Route, denn ihr Startpunkt liegt abgelegen im Westen des Kilimanjaro. Die ersten Tage des Trekkings sind damit ein toller Start in der Wildnis. In seltenen Fällen kann hier sogar Großwild, wie Elefanten oder Büffel, gesichtet werden. Beim Aufstieg genießt du die spektakuläre Aussicht auf die dramatischen Schluchten an der Westseite des Kilimanjaro, und auch die Überquerung des Shiro Plateaus gehört zu den Highlights dieser Route. Es ist eines der größten Hochplateaus der Welt. Lemosho bietet außerdem die Möglichkeit den Gipfel von mehreren Seiten zu erreichen – entweder über Stella Point (wie bei Machame), den Northern Circuit und Gilman’s Point, oder auch über das exklusive Kratercamp. Die Route dauert etwa 7-8 Tage.

Die Shira-Route ist ähnlich wie Lemosho, allerdings mit höherem Startpunkt und dadurch schlechterem Akklimatisierungsprofil – auch hiervon würde ich abraten.

Um den Kilimanjaro von einer ganz anderen Seite zu sehen – und zwar wortwörtlich – empfehle ich die Rongai-Route, die einzige, die sich dem Berg vom Norden her nähert. Der Weg ist abgelegen und führt tagelang durch absolute Wildnis. Das nördliche Kilimanjaro-Gebiet ist trockener, dadurch ist Rongai die ideale Route für die Regenzeit (März bis Mai und November). Die Landschaft ist total anders, und die Sicht auf den Berg ist oft viel klarer als im Süden. Der Abstieg erfolgt über die Marangu-Route. Insgesamt dauert die Strecke etwa 7 Tage. Ratgeber Kilimanjaro Trekking 2 Aufgrund ihres steilen Aufstiegs ist die Umbwe-Route, die sehr schnell auf Lemosho/Shira/Machame trifft, nicht sonderlich empfehlenswert.

Die längste Route, und damit die mit der höchsten Erfolgsrate, ist der Northern Circuit. Die Route verläuft anfangs wie Lemosho, trennt sich dann jedoch nach dem Shira Plateau um die Nordseite des Berges zu umrunden. Die Strecke hat ein sehr gutes Akklimatisierungsprofil und dauert etwa 8-9 Tage.

Die letzte Route heißt Western Breach und ist die technisch schwierigste Route. Sie wurde 2006 nach einem Steinschlag-Unfall geschlossen, jedoch 2007 neu gesichert wieder eröffnet. Dennoch haben diese Route sehr wenige Anbieter im Programm, da sie nur für erfahrene Bergsteiger geeignet ist.

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Die Wahl des Anbieters

Die Bezwingung des Kilimanjaro ist ein einmaliges Erlebnis, an das du dich dein Leben lang erinnern wirst – die Auswahl des Touranbieters ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg deines Unternehmens, sogar noch wichtiger als dein Fitnesslevel. Alle Touranbieter brauchen eine Genehmigung vom Kilimanjaro Nationalpark und nur lizensierte Bergführer dürfen Gruppen auf den Berg bringen – doch trotzdem musst du bei der Auswahl vorsichtig sein. Hier ein paar Merkmale für den richtigen Anbieter:

– Transparenz: du findest eine umfassende Webseite oder Broschüre, und bekommst auf all deine Fragen auch detaillierte Antworten

– eine hohe Erfolgsrate

– faire Bezahlung und Behandlung der Porter: auf der Webseite der International Mountain Explorers Connections findest du hierzu mehr Informationen.

Weitere Variablen für einen angemessenen Preis sind die Routenauswahl, die Dauer des Trekkings und der Startpunkt der Route. IMG_5707 Akklimatisierung

Der singuläre Hauptgrund für die meisten gescheiterten Gipfelstürmungen am Kilimanjaro ist akute Höhenkrankheit. Und weil die meisten Routen suboptimale Akklimatisierungsprofile haben, trifft sie häufiger ein als man wahr haben möchte. Im Extremfall kann Höhenkrankheit zu einem Hirn- oder Lungenödem, und damit zum Tod führen – deswegen ist es besonders wichtig bereits bei den ersten (vielleicht nur schwachen) Symptomen Alarm zu schlagen.

Symptome können bereits ab 2.500 Höhenmeter auftreten und auch erfahrene Bergsteiger sind davor nicht gefeit. Aufgrund des niedrigeren Sauerstoffgehalts in der Luft in großen Höhen, kann es im Körper zu Durchblutungsstörungen kommen, wenn dieser den Ausgleich nicht schafft. Meist geschieht dies, weil man zu rasch aufsteigt, generell überanstrengt ist, oder nicht genügend Flüssigkeit aufnimmt.

Zu den alarmierenden Symptomen zählen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Husten, Herzrasen, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Atemnot, Leistungsabfall, Appetitlosigkeit, Schwindelgefühl und Gangunsicherheit. Bei den ersten Anzeichen, muss der Mountain Guide benachrichtigt und der Aufstieg unterbrochen werden. Wenn es nach einer Ruhepause nicht besser geht, sollten mindestens 500 Höhenmeter abgestiegen werden und ein Akklimatisierungstag eingelegt werden. Leichte Kopfschmerzen können mit Schmerztabletten behandelt werden, doch ein erneuter Aufstieg ist nur empfehlenswert wenn du medikamentenfrei schmerzlos und symptom-frei bist.

Zur Vorbeugung ist Akklimatisierung das A und O. Ein langsamer Aufstieg mit ein oder zwei Akklimatisierungstagen/Ruhetagen ist der beste Weg zum Gipfel. Machame und Lemosho sind die besten Routen, da sie ein gutes Akklimatisierungsprofil haben – doch was heißt das eigentlich? Kurz und bündig, bedeutet das, dass die Routen einen guten Ausgleich von ‘climb high, sleep low’ erlauben – tagsüber werden mehr Höhenmeter gemacht um den Körper an den geringen Sauerstoffgehalt zu gewöhnen, genächtigt wird aber in niedrigeren Höhenlagen. Das zurückgelegte Höhenprofil kannst du dir wie ein Zickzack-Muster vorstellen. Bei Machame und Lemosho sind diese Unterschiede zwischen maximalem Tageshoch und Höhenlage des Camps am besten.

Dies ist lediglich eine kurze Einführung in ein paar der wichtigsten Punkte rund um das Thema Höhenkrankheit. Mehr Details bietet dieser Artikel, und auch dein Reisearzt weiß mehr. Ratgeber Kilimanjaro Trekking 1 Deine Ausrüstung

Was muss mit, und was kann zuhause bleiben – diese Frage zaubert große Fragezeichen auf alle Gesichter, die gen Kilimanjaro blicken. Eine detaillierte Ausrüstungsliste findest du hier zum Download, hier aber erst einmal ein paar Essentials:

Kleidung: Bis du am Gipfel des Kilimanjaro ankommst, durchwanderst du mehrere Klimazonen – vom tropischen Regenwald bis zum vergletscherten Hochgebirge; vom schweißtreibenden Bergauf-Klettern bis zur fröstelnden Nacht im Schlafsack. Die Lösung heißt Zwiebelprinzip und Funktionskleidung (bloß keine Baumwolle!). Die base layer besteht aus langer, atmungsaktiver Unterwäsche, drüber kommt eine Schicht herkömmlicher Trekkinghose und T-Shirt, darüber eine wärmende Schicht (zum Beispiel ein Fleece) und zu guter letzt eine warme, wind- und wasserdichte Außenschicht (zum Beispiel eine leichte Daunenjacke und eine gefütterte Trekkinghose). Um trocken zu bleiben empfehle ich außerdem einen Regenponcho, der sowohl Körper als auch Rucksack abdeckt.

Kopf und Hände: Packe zwei Kopfbedeckungen – eine Kappe als Sonnenschutz und eine Mütze für den Gipfel – und winterfeste Handschuhe. AKE_5401 Wanderschuhe: Feste Wanderschuhe, die über die Knöchel gehen, sind ein absolutes Muss. Das beste Mittel gegen Blasen ist es die Schuhe vor dem Trekking ordentlich einzulaufen.

Gepäck: Deine Hauptlast wird glücklicherweise von den Porten transportiert – je nach Anbieter variiert die Maximalbelastung, aber in etwa darfst du 15kg mitbringen. Die packst du am besten in eine weiche Duffle Bag, da die Porter ihre Last auf dem Kopf balancieren – bitte keine Koffer oder Rucksäcke! Selbst trägst du nur deinen Tagesrucksack – gefüllt mit deinem Lunchpaket, einer Jacke, dem Regenponcho und deiner Kamera.

Schlafsack: Ob im Zelt oder den Hütten der Marangu-Route, einen Schlafsack brauchst du auf jeden Fall. Wenn du deinen eigenen Schlafsack mitbringen möchtest, achte darauf, dass der dich auch bei Minusgraden warm hält. Du kannst jedoch auch einen Schlafsack ausleihen – dann nimm aber aus hygienischen Gründen am besten einen dünnen Innenschlafsack mit. Generell gilt, die meisten Ausrüstungsgegenstände können in Arusha oder Moshi gekauft oder ausgeliehen werden – frage einfach deinen Reiseveranstalter nach Empfehlungen. Ratgeber Kilimanjaro Trekking 17Fit werden

Um den Kilimanjaro erfolgreich zu bezwingen, musst du weder Spitzensportler noch Profi-Bergsteiger sein, solltest aber natürlich bei guter Gesundheit und Fitness sein. Wichtig ist es, deinen Körper mit dem richtigen Training vorzubereiten. Hier meine Top-Tipps:

Mache einen allgemeinen Gesundheitscheck beim Hausarzt, oder auch einen Belastungstest, um sicher zu gehen, dass du die körperlichen Grundvoraussetzungen erfüllst. Das ist vor allem dann wichtig, wenn du Probleme mit dem Blutdruck hast oder ähnliche bereits bekannte Probleme bestehen.

Wandern ist die beste Vorbereitung fürs Trekking, denn es baut die richtigen Muskelgruppen auf. Lange Spaziergänge mit kleinem Rucksack, regelmäßige Tageswanderungen oder eine erste mehrtägige Tour sind das richtige Training. Selbst Stiegen steigen kann helfen.

Andere Sportarten, wie Laufen oder Radfahren, beanspruchen zwar eine andere Muskelgruppe, steigern aber deine Ausdauer – also auch gut.

Wenn du von Null anfängst, solltest du etwa 2 Monate vor dem Trekking damit beginnen, deinen Körper auf Vordermann zu bringen. Und wenn die Anstrengung zu viel zu werden droht, denk immer an den schönsten Sonnenaufgang Afrikas, mit dem dich der Kilimanjaro belohnt: AKE_5433 Im Programm von Mavia Soul Travel findest du mehrere Angebote fürs Kilimanjaro Trekking, egal ob über Machame, Lemosho oder Rongai, oder im Rahmen einer längeren Tansaniareise mit Safaris oder Entspannung auf Sansibar.

In diesem Sinne, Berg heil!

 

Bild der Routenübersicht via / Bild der Porter via