Die Menschen sind zu viel allein in Deutschland

Nicht nur die Mütter mit ihren Kindern – ganz generell. Mütter, Alte, fast jeder irgendwann mal in seinem Leben. Das Leben in Deutschland ist meines Erachtens altmodisch nach den Belangen der gut geölten Fabrikmaschinerie organisiert – und einfach nicht nach den Bedürfnissen von Familie, von Kindern, von Menschen.

Beispielsweise zu viel Zeit allein mit einem Zweijährigen zu verbringen ist einfach nicht gut. Weder für das Elternteil, noch für den Zweijährigen. Die Wutanfälle, die ein kaputtgegangenes Spielzeug auslösen, die Bisse und Tritte, mit denen Versuche des Trostspendens kommentiert werden, all das ist nur begrenzt zu ertragen. Und: In Gesellschaft anderer Kinder, mehrerer Menschen kommen diese Anfälle in dieser Schwere auch gar nicht vor. Also: Ungefähr die Hälfte der Zeit mit Levi ist wirklich wunderbar. Und für die andere Hälfte versuche ich, die Gesellschaft anderer Menschen zu finden. Am besten anderer Menschen mit Kindern. Und vor diesem Hintergrund ist es für mich erneut unverständlich, dass es insbesondere in Deutschland eine laute Stimme gibt, die sagt: Das Kind gehört die ersten 3 Jahre vor allem zur Mutter. Das ist totaler Quatsch. Das muss sich jemand ausgedacht haben, der seine Mutter hasst. Und der Kinder nicht sonderlich mag. Denn aus dieser einseitigen Fixierung resultieren frustrierte Mütter, die ihre Kinder herumkommandieren, in Schach und sich selbst vom Hals zu halten versuchen. Aus purem Überlebensdrang. Und egomanische Kinder.

Richtig, gerade geht ein Tag zu Ende,  an dem Levi von seiner Entwicklung geplagt und ich keine Menschen gefunden habe. Furchtbar. Der kleine Kerl ist mit sich selbst überfordert und irgendwann nervt es halt trotzdem: Das Heulen. Das auf den Boden werfen. Das Gebissen werden. Aber Zurückheulen ist ja auch keine Lösung.

Also: Warum Leben wir nicht mehr in großfamiliären Strukturen. In denen Kinder natürlich zahlreiche Ansprechpartner haben. In denen auch Erwachsene immer jemanden zum Quatschen an einem großen Tisch vorfinden. An denen auch ältere Menschen einfach dazugehören? Muss ja nicht die echte Familie sei. Freunde, nachbarschaftliche Gemeinschaften. Ist es denn so furchtbar modern, menschenfeindlich zu leben?

In meinem Hinterkopf reift gerade die Vorstellung eines Projektes heran: einen Ort schaffen, an denen die Aspekte familien- und menschenfreundlichen Lebens mit den Anforderungen eines kreativen Arbeitslebens gepaart ausprobiert und weiterentwickelt werden.
Mission: Experimenteller Lebensstil. Ich brauche nur ein paar Familien und Menschen jeden Alters und ein paar Firmen, die es auch besser finden, wenn ihre Arbeitnehmer ein Leben haben, dass sie glücklich macht. Und in ihrem Job nicht nur als Maschine auf 2 Beinen agieren. Und Raum. Lebensraum. Und vermutlich eine Schulreform. Also eventuell noch eine dem Fortschritt nicht abgeneigte Schule.

Und ganz viel Mut, sich auf ein derartiges Projekt einzulassen. Mit dem gesamten Leben.

Ich bin dabei!

Oder gibt es sowas schon?

Es ist 22 Uhr. Ich muß unbedingt ins Bett – denn wer weiß, wie Levi morgen drauf ist und ob ich Menschen treffe, mit denen wir einen Teil des Tages teilen können?! 🙂

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