Der Süden Raiateas – ein ursprüngliches Südseeparadies

Im Süden von Raiatea haben wir unser erstes persönliches Südseeparadies gefunden: die Opoa Beach Lodge – 14 weiße Cottages in karibischem Stil, liebevoll entworfen und gebaut von dem Franzosen Eric und seiner Frau. Vor 12 Jahren sind die beiden nach Raiatea gekommen. In 16 Monaten haben sie diesen Traum von Südsee geschaffen: sanft in die Natur integriert: vorne die Lagune, dahinter der grün wuchernde tropische Wald, ein paar Häuser von Einheimischen, drei Bootsstege. Sonst nichts. Die Hauptstadt der zweitgrößten Insel Französisch Polynesiens ist eine Stunde entfernt. Verbunden durch eine teils geteerte, teils mit Schlaglöchern verzierte sandige Strasse.
Jean und Marie leben schon seit 20 Jahren auf Raiatea, nur 30 Kilometer vom Opoa Beach entfernt – und sie machen trotzdem hier bei Eric Urlaub: die Kochkünste von Erics Frau sind legendär: die beste Küche der Insel, bestätigen Jean und Marie mit leuchtenden Augen. Außerdem sind die Korallen hier besonders schön und eine 10 minütige Motorbootfahrt entfernt wiegen sich die Palmen von Bird Island majestätisch im Wind. Hierher bringt uns Erics Boot jeden Morgen – und die Stunden, die wir auf diesem Robinson Nest meistens alleine verbringen, werden mit jedem Tag mehr. Die Insel ist in 15 Minuten umwandert – wenn man sich nicht verläuft, denn Wege gibt es keine: jeder Spaziergang gleicht einer kleinen Expedition. Jedes Mal spuckt der Dschungel uns an einer anderen kleinen Bucht aus: Entdeckerfeeling pur. Endlich.
Denn: so schön beispielsweise Bora Bora auch ist – und die Lagune um das Pearl Resort ist wirklich genial – es ist voll mit Resort Hotels. Und Resort Hotels können noch so schön, stylisch, luxuriös….sein…sie halten mich vom Gefühl wirklichen zu reisen ab. Also: ein paar Tage relaxen, Massagen genießen: alles prima. Aber wirkliches Relaxen beginnt für mich mit wirklichem Reisen. Wenn ich morgens noch nicht weiß, wie der Tag verläuft. Oder wo ich die kommenden Tage sein werde. Wenn ich Herr meiner Zeit bin, dessen, was ich erleben möchte. Wen ich treffen möchte. Und wen nicht.
Die durchorganisierten Prozesse von Resort Hotels entmündigen den Individualreisenden, denn sie sind nicht darauf ausgerichtet, die individuellen Wünsche zu erfüllen. Sie kommen mir eher vor wie sanfte paradiesisch verpackte Gefängnismauern: drauf aus, den Urlauber nicht ausbrechen zu lassen aus den Vorstellungen von Urlaub, die sich der Resortdesigner gemacht hat. Der Urlauber soll das Resort möglichst nicht verlassen, pünktlich zum Essen erscheinen, keine Sonderwünsche haben, zum Sunset einen Cocktail trinken, davor mit dem gelben Kajak ein bisschen Paddeln etc etc. Und sich dem unterzuordnen kann ich einfach nicht. Also ein paar Tage schon. Aber dann muß ich los. Entdecken. Auf eigene Faust.
Ich denke, Resorts sind für Menschen, die eigentlich Angst vorm Reisen haben. Angst, sich auf etwas Fremdes einzulassen. Angst, es in einer fremden Welt nicht hin zu bekommen. Angst, sich zu begegnen? Wie Gruppenreisen. Wenn man sehr alt ist und Einschränkungen hat, oder nicht alleine reisen möchte: total verständlich. Aber ansonsten?
Am liebsten sind mir kleine Lodges mit 4-12 Zimmern oder Chalets, die zu keiner Kette gehören, sondern von den jeweiligen Ort liebenden Menschen als Verwirklichung ihres Traumes geschaffenen und erhalten werden. Es gibt Ausnahmen: es gibt kleine Ketten, beispielsweise Explora oder auch And Beyond – aber dazu an anderer Stelle mehr.
Nach einer Woche Bora Bora hatte ich mich gefragt, warum ich nicht auf Wolken schwebe. Warum ich nicht so erholt bin, wie ich es mir gewünscht habe. Und wir hatten wirklich eine geniale Zeit dort. Und die Antwort: mein Kopf. Mein Charakter: ich bin einfach ein Mensch, der nicht Urlaub macht. Ich bin ein Mensch, der reist.

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